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Home  Taubengesundheit  Bestandsspezifischer E. coli-Impfstoff ein Mittel gegen Jungtierkrankheit? 

Bestandsspezifischer E. coli-Impfstoff ein Mittel gegen Jungtierkrankheit?

Autor Johannes Jakobs ist Inhaber der Brieftaubenfirma Tollisan und Manager der WG-Ropa Produkte. Auf Grund seiner jahrelangen beratenden Tätigkeit im Pharma-Außendienst hat er sich sehr intensiv mit dem Thema Jungtaubenkrankheit auseinander gesetzt. Zuvor veröffentlichte Berichte zum Thema "Impfung" ebneten den Weg für ein modernes und zeitgemäßes Impfsystem.


Johannes Jakobs

Der Name "Jungtierkrankheit" ist falsch und trügerisch, denn längst sind es auch die Alttauben, die von der "Moostauben"- oder "Adeno"- Krankheit eingeholt worden sind. Die meisten Züchter haben das noch nicht erkannt, obwohl viele feststellen mussten, dass die Leistungskurve bei den Alttauben – häufig in den letzen Jahren ab dem 5. bis 8. Preisflug stetig nach unten zeigte. Begleitet wird dieser Formverlust mit Symptomen wie schlechtes Flugverhalten beim Training, die Tiere fressen nicht mehr richtig und einzelne Alttauben erbrechen sogar das Futter. Alles Anzeichen wie bei der "Jungtierkrankheit".

Die Auslöser der Jungtierkrankheit sind Circoviren, die bei einzelnen Tierarten seit den 80-er Jahren auf dem Vormarsch sind. In der Schweinebranche stellen sie ein großes Problem dar. Durch ein modernes Management bezüglich Fütterung, Hygiene und Impfung versucht man, entsprechende Lösungen zu finden.

Über Circoviren bei Tauben spricht man in Fachkreisen seit einigen Jahren. Dieser Ausdruck ist für den normalen Züchter eher unbekannt. Das Wort Circoviren sollten wir aber langsam in unseren Wortschatz aufnehmen, denn unsere Bestände tragen mittlerweile flächendeckend in Deutschland dieses Virus in sich. Das trifft auch für andere Länder zu. Bei Untersuchungen in Beständen, in denen die Jungtierkrankheit zum Ausbruch gekommen ist, wurden überall Circoviren festgestellt. Erst in diesem Jahr wurden von der Vogelklinik Uni Leipzig rd. 30 Bestände von Züchtern untersucht, die bisher keine Probleme mit der Jungtierkrankheit hatten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Überall gab es Circoviren.

Ich selber habe drei Jungtauben von meinem Vereinsvorsitzenden, der noch nie eine kranke Jungtaube hatte, zur Untersuchung an die Uni Leipzig eingesendet: Selbst bei seinen Tauben wurden Circoviren nachgewiesen.

Circoviren lähmen das Immunsystem der Jungtauben. Die Bursa Fabricii ist das zentrale Abwehrorgan der Jungtauben. In ihr werden die wichtigen Immunzellen für das Abwehren von Krankheiten produziert. Circoviren befallen diese Immunzellen und setzen dadurch das Immunsystem der Jungtiere außer Kraft. Die Jungtauben sind nun schutzlos anderen Keimen ausgeliefert, unter anderem dem Erreger E. Coli, einem der Hauptübeltäter bei Ausbruch der Jungtierkrankheit.

Das Abwehrorgan Bursa Fabricii könnte man auch als ein “pubertäres Organ” bezeichnen, weil es nur bei Jungtauben vorkommt. Das Organ bildet sich im Laufe von Monaten immer weiter zurück; bei den jährigen Tauben übernehmen andere Immunsysteme die Abwehrarbeit und lassen die Circoviren unbedeutend werden. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum verdunkelnde Sportfreunde weniger mit der Jungtierkrankheit zu tun haben. Die sehr früh gezogenen Jungtauben sind zu Beginn der Reise auf Grund ihres Alters bereits “Pseudo-Jährige” und verfügen über zusätzliche Abwehrmechanismen.

Niemand sollte sich vor der Erkrankung sicher fühlen. Die Faktoren, die zum Ausbruch der Krankheit führen, sind sehr vielfältig. Dazu zählen Überbevölkerung mit mangelnder Hygiene und auch die viel gepriesene Strohecke ist im Grunde nur eine ideale Brutecke für Keime. Tägliches Säubern und vor allem das Desinfizieren des Jungtierabteils des letzten Jahres erscheinen mir sehr wichtig.

Wolkenloser, blauer Himmel ist Gift für Jungtiere. Vermeiden Sie es generell, an solchen Tagen Jungtauben fliegen zu lassen. Manchen Transporteuren müsste man bei den diesjährigen, heißen Wetterphasen und den trotzdem durchgeführten Jungtierflügen einen “blauen Brief” schreiben. Die meisten Ausbrüche fangen stressbedingt mit dem ersten Einkorben der Jungtiere an. Durch häufiges privates Einkorben und sofortiges Fliegen lassen am Haus können Sie den Tieren helfen, diese nervliche Beanspruchung zu bewältigen. Die Reisevereinigungen sollten sich ebenfalls überlegen, durch mehrere kürzere Trainingsflüge von nur 50 km den Jungtieren beim Überwinden dieser Stressfaktoren zu helfen. Schon in meinen ersten Impfberichten vor Jahren, habe ich die getrennten Impfungen gegen

  • Paramyxo (früh, möglichst beim Absetzen)
  • Salmonellen (Lebendimpfstoff Zoosal-T, Firma IDT)
  • Pocken (Follikelmethode, kurz vor Reisebeginn)

als einzige Methode bezeichnet, um bei Jungtauben eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem auszuüben. Viele Züchter bestätigten mir inzwischen, dass sie seit der getrennten Anwendung aller drei Impfungen keinen Ausbruch der Jungtierkrankheit mehr hatten.

Begünstigt wird der Krankheitsausbruch oft durch zu eiweißreiches Futter (Hülsenfrüchte). Tauben brauchen keine Hülsenfrüchte, schon gar nicht in der Reisezeit! Trotzdem werden einige Sportfreunde ihre “Altersweisheiten” über Ernährung weiter verbreiten, obwohl ich keinen Spitzensportler kenne, der sich von einem Bohneneintopf ernährt.

Mehrheitlich sieht der Krankheitskomplex beim Ausbruch der Jungtierkrankheit so aus, dass die Tiere nicht mehr richtig fressen, sie erbrechen das Futter und der Kot ist schleimig-grün. In fast allen Untersuchungen konnte bei diesem Krankheitsbild Escheria coli als Krankheitserreger nachgewiesen werden. Die traditionellen Antibiotika- Kuren haben die Resistenzlage bei E. Coli-Bakterien derart verschlechtert, dass sie häufig keine Wirkung mehr zeigen. Ebenfalls kann man vermehrt beobachten, dass die Jungtierkrankheit nach erfolgreicher Behandlung erneut zurückkehrt. Bei vielen Züchter zeigen sich die bekannten Krankheits- Symptome wöchentlich nach jedem Preisflug, so dass viele resigniert die Reise einstellen. Das Thema Jungtierverluste möchte ich in diesem Zusammenhang erst gar nicht ansprechen.

In der Mauser- und Winterzeit sitzen vielfach Tauben auf den Schlägen, die bereits als Jungtiere unter dem o. g. Krankheitsbild litten. Äußerlich sehen sie gesund aus, doch der Schein trügt und der wahre Gesundheitszustand zeigt sich während der Reisesaison ab dem 5.-8. Preisflug. Mit zunehmender Anzahl der Preisflüge, steigenden Kilometern und u. U. schwierigen Flugverläufen kommt der Leistungsknick. Das Flugverhalten beim Training wird schlechter, der Kot ist nicht mehr optimal und die Tiere fressen nicht mehr richtig, da das Futter länger im Kropf verweilt. Einige Alttauben erbrechen ein bis zwei Stunden nach der Fütterung sogar ihr Futter. Spätestens jetzt müssten viele Züchter begreifen, dass von der letzten Jungtiererkrankung die E. Coli-Keime im Umfeld bzw. im Milieu ihres Schlages, im Jungtierabteil, im Reinigungswerkzeug und sehr wahrscheinlich im Körper der ehemals kranken Jungtauben überlebt haben und nun bei den gestressten Alttauben ihre krankmachende Wirkung verrichten. Mit erheblichen negativen Folgen für die Reiseleistung.

Zu einem modernen Schlagmanagement gehören heute alle drei Impfungen und ein perfektes Versorgungssystem. Um meine Probleme mit E. Coli zu lösen, habe ich mir als erster Brieftaubenzüchter überhaupt einen bestandsspezifischen E. Coli-Impfstoff produzieren lassen. Nach Abschluss der Alttierund Jungtierreise darf ich sagen, dass die Anwendung ein voller Erfolg war. Keine einzige Alt- oder Jungtaube hat die klinische Symptomatik der Jungtierkrankheit gezeigt. Im Gegenteil: Alle Tiere hatten während der gesamten Reisezeit einen noch höheren Gesundheitslevel, als in den Jahren zuvor (Und bei mir liegt die Messlatte bezüglich Gesundheit
extrem hoch!).

E. coli-Handelsimpfstoffe, deren Entwicklung Jahre dauert, kommen vielfältig bei anderen Tierarten zur Anwendung. Das Problem bei unseren Tauben ist jedoch die Vielzahl der unterschiedlichen E. Coli-Keime. Von daher kann nur ein bestandsspezifischer Impfstoff eine Lösung bringen. Bevor die Produktion eines bestandsspezifischen Impfstoffes erfolgen kann, muss der für das Krankheitsgeschehen verantwortliche Erreger, in meinem Fall E. Coli, eindeutig diagnostiziert und isoliert werden. Es dürfte klar sein, dass ein Streptokokken- Impfstoff gegenüber einer E. Coli-Erkrankung wirkungslos bleibt. Dieses Beispiel macht deutlich, dass der ausführlichen Diagnostik eine Schlüsselrolle für den Erfolg zukommt. Eigenbehandlungen mit Antibiotika erschweren mitunter die Diagnostik sowie die Erreger-Isolierung. Gesetzlich erlaubt ist der Einsatz eines bestandsspezifischen Impfstoffes, wie es der Name schon sagt, nur im Herkunftsbestand.

2005 habe ich bei zehn Jungtieren, die Symptome der Jungtierkrankheit zeigten, in der Tierarztpraxis Beck, DN-Merzenich zehn Kloakenabstriche durchführen lassen. Die Abstriche wurden an das Tiermedizinische Laboratorium Biofocus in Recklinghausen zur Untersuchung eingesandt. Nachdem dort von der Tierärztin Susanne Jansen in allen Kotproben der Keim E. Coli nachgewiesen wurde, sind diese zehn Proben an das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin weitergeleitet worden. Dr. Steinrück (Zentrum für Erregercharakterisierung) hat in den entsprechenden Untersuchungen die eingesandten zehn E. Coli-Stämme auf den jeweiligen Serotyp charakterisiert. Nach Abschluss dieser Diagnostik wurde mir vom Impfstoffwerk IDT ein bestandsspezifischer E. Coli-Impfstoff produziert. Im Winter 2006 habe ich sofort alle Alttauben und im Frühjahr alle Jungtiere damit geimpft. Negative Impfreaktionen hat es keine gegeben. Bei der gesamten Abwicklung stand mir Tierarzt Dr. Lauterbach vom Impfstoffwerk IDT hilfreich zur Seite.

Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele Züchter versuchen, diesen neuen Weg zu gehen. Der Brieftaubensport braucht moderne Lösungen, wie sie bestandsspezifische Impfstoffe bieten können. Durch die Ansammlung der unterschiedlichen E. Coli-Typen bei Brieftauben könnte es vielleicht eines Tages zur Produktion eines Handelsimpfstoffes kommen.

Johannes Jakobs

Samstag, 11. November 2006, 10.30 Uhr Gesundheitsforum in Kassel

Das Thema “Bestandsspezifischer Impfstoff – Ein Mittel gegen die Jungtierkrankheit?” wird am Samstag, 11. November 2006 um 10.30 Uhr im Mittelpunkt des traditionellen Gesundheitsforums im Rahmen des 17. Internationalen Tauben-Markt in Kassel stehen. Neben dem Autor Johannes Jakobs werden Dr. Lutz Lauterbach vom Impfstoffwerk IDT, der maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war, sowie die Tierärztin Susanne Janßen vom Laboratorium Biofocus und Dr. Volker Schmidt, Vogelklinik Universität Leipzig, interessierten Züchtern und Sportfreunden Rede und Antwort stehen.


Dr. Volker Schmidt,
Vogelklinik der Universität Leipzig
 
Tierärztin Susanne Janßen
vom Laboratorium Biofocus
 
Dr. Lutz Lauterbach
vom Impfstoffwerk IDT

 

17. Internationaler Taubenmarkt
11. u. 12. November 2006
in den Messehallen Kassel

 TOLLISAN-Stand:
Halle 8, Stand Nr. 815

www.taubenmarkt-kassel.de

 


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