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Home  Taubengesundheit  Pockenimpfstoff nicht verfügbar 

Pockenimpfstoff nicht verfügbar

Tierarzt René Becker über die medizinische Vorsorge

Tierarzt René Becker
Tierarzt René Becker

Die Sorge in der Züchterschaft hielt sich in Grenzen, als im Frühsommer bekannt wurde, dass  in naher Zukunft vorerst kein Impfstoff gegen Pocken mehr zur Verfügung stehen würde. Bis vor kurzem gab es zwei verschiedene Impfstoffe: Zum einen den klassischen Follikelimpfstoff „Pigeon Pox“, der über einen Pinsel in offene Federfollikel verabreicht wird; zum anderen den Kombinationsimpfstoff mit dem Paramyxovirose-Impfstoff „Colombovac PMV/POX“.

Der Follikelimpfstoff ist vom Hersteller aus Gründen der Wirtschaftlichkeit komplett vom Markt genommen worden. Bei der Herstellung des Kombinationsimpfstoffes gab es Probleme im Bereich der Qualitätsprüfung mit der Folge, dass eine gesamte Charge keine Zulassung erhalten hat. Nun ist erforderlich, alle Prüfungen neu durchlaufen zu lassen. Dies führt dazu, dass – nach Herstellerangabe – nicht vor März 2008 mit einer neuen Charge PMV/POX zu rechnen ist. De facto gibt es also im Moment keinen Pockenimpfstoff.

Beinahe erwartungsgemäß ist nun eingetreten, was man alljährlich zu dieser Jahreszeit feststellen kann: An verschiedenen Stellen in Deutschland sind Pocken aufgetreten. 

Dass zu diesem Zeitpunkt Pocken ausbrechen, ist nicht ungewöhnlich. Der Erreger grassiert, wenn meist unterschwellig, in den Beständen, so dass permanent die Gefahr eines Ausbruches besteht. Zumal die Bedingungen gegen Ende der Jungtierreise nahezu optimal sind. Geschwächte Jungtauben, die nicht gegen Pocken geimpft wurden und teilweise durch ihren Mauserstand, mit vielen kahlen Hautstellen, anfällig sind, bieten eine optimale Angriffsfläche für das Pockenvirus, das unbefiederte Hautstellen mit kleinen Läsionen benötigt, um in den Körper einzudringen. Die große Zahl von Tauben, die auf der Jungtierreise aufeinander treffen, begünstigt zusätzlich den Ausbruch einer Infektion.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Formen. Zum einen die Hautform, die sich auf die unbefiederten Stellen im Kopfbereich der Taube erstreckt und die Schleimhautform, die speziell auf den Schleimhäuten im Schnabel-/Rachenbereich auftritt. Die Pocken beginnen als Schwellungen der Schleimhaut, brechen auf und verkrusten an der Oberfläche, um schließlich wieder abzuheilen. Die Infektion wird über die offenen Pocken und Hautschuppen übertragen und ist primär nicht lebensgefährlich. Lediglich bei starker Anbildung von Pocken im Rachenbereich kommt es zu Störungen des Allgemeinbefindens und zu verminderter Nahrungsaufnahme – ein Zustand, der u. U. lebensgefährlich sein kann.

Die Behandlung infizierter Tiere mit einem Jodpräparat erfolgt über eine Desinfektion der betroffenen Hautstellen. Mit Jodpräparaten, die zur Anwendung auf Schleimhäuten geeignet sind, werden die Hautstellen mehrmals täglich eingepinselt. Auf diese Weise erfolgt eine schnelle Abtrocknung. Eine optimierte Versorgung und Steigerung des Abwehrsystems gehört ebenfalls zur Therapie. Die erkrankten Tiere gesunden in der Regel vollständig und nachhaltige Schäden sind nicht zu befürchten. Einer späteren vollen Leistungsfähigkeit steht nach Ausheilung nichts im Wege.

Da die Infektion von Taube zu Taube relativ langsam erfolgt, ist die Pockeninfektion eine der Viruserkrankungen, bei der man zu einer Notimpfung raten muss. Werden die erkrankten von den gesunden Tieren isoliert, die optisch gesunden Tauben geimpft und weitere Maßnahmen ergriffen, so dass sich die Infektion nicht weiter im Bestand ausbreitet, besteht eine reelle Chance auf Heilung.

Wie kann man sich nun vor einer Infektion schützen, speziell mit Blick auf betroffene Regionen in der Nachbarschaft? Zunächst sollte der Kontakt zu anderen Tieren vermieden werden, d. h. unterbinden Sie den Freiflug in dieser Zeit weitgehend. Holen Sie keine fremden Tiere in den Bestand von Züchtern, die in der Nähe infizierter Schläge wohnen oder gar aus betroffenen Beständen.

Ein Wirkstoff, der relativ sicher die Übertragung des Pockenvirus verhindert und die Schleimhäute vor einem Eindringen des Virus schützt, ist Jod. Allen Züchtern, die im Einzugsgebiet erkrankter Tauben liegen, ist dringend anzuraten, regelmäßig ein Jodpräparat über das Wasser zu verabreichen. Entscheidend ist, dass dieses Präparat (z. B. „Blitzform“) eine gute Jodkonzentration enthält.

Immer wieder wird danach gefragt, wann erkrankte  Bestände wieder am Reisen teilnehmen dürfen. Die häufig genannten Zeitintervalle sind meistens viel zu kurz. Da die Infektion sehr langsam verläuft, muss die Pause mehrere Wochen betragen, um sicher zu sein, dass kein neuer Fall auftritt. Leider entscheiden in diesen Fällen häufig noch Verantwortliche der jeweiligen Reisevereinigungen vor Ort.

Idealerweise sollte die Entscheidung jedoch in die Hände eines Tierarztes gelegt werden. Erst wenn dieser grünes Licht gibt, sollte die Teilnahme an der Reise bzw. Ausstellung  wieder erlaubt sein. Man kann nur an die Vernunft der Züchter appellieren, nicht mit dem tatsächlichen Infektionsstatus hinterm Berg zu halten und erst dann wieder an Ausstellungen teilzunehmen, wenn die Ansteckungsgefahr gebannt ist.

Dies vor dem bereits o. g. Hintergrund, dass die einzig sichere Prophylaxe gegen eine Pockeninfektion, nämlich die Impfung, momentan nicht zur Verfügung steht. Der weitere Appell an die Züchterschaft kann nur lauten, sobald der Impfstoff mit der Pockenkomponente wieder zur Verfügung steht, diesen wieder konsequent zu nutzen.

Im kommenden März wird die Impfsaison für die Alttauben bereits beendet sein, so dass dies die Jungtiere des nächsten Jahres betrifft. Da speziell der Nachwuchs einer erhöhten Anfälligkeit ausgesetzt zu sein scheint, ist es wichtig, die Pockenimpfung nicht auszulassen.

Immer wieder machen sich Spekulationen breit, dass in den folgenden Monaten auch kein Paramyxovirose-Impfstoff zur Verfügung stehen soll. In der Tat war es die Paramyxovirose-Komponente, die seinerzeit bei der Zulassung des PMV/POX zu den erwähnten Problemen führte. Es wird somit im Winter tatsächlich keinen „Colombovac“ PMV geben, bis auf die noch vorhandenen  Restbestände. Da es jedoch noch einen weiteren Hersteller gibt, ist die Versorgung mit einem Impfstoff gegen Paramyxovirose in jedem Falle gesichert.

René Becker, prakt. Tierarzt


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