Besuchen Sie unseren Werbepartner
Anzeige
Benutzername:  Passwort:   Registrierung! Passwort vergessen?
 Statistik  Netiquette  Disclaimer  Impressum
 
 
Home
 
Magazin
Podcast
Meisterschaft
1. Konkurse
International
Auktion
One Loft Races
Kids Corner
Preislisten
Taubengesundheit
Wetter
Photo Gallery
Forum
Office Tools
Umfragen
Verirrte Tauben
Züchter
Tauben-Shop
 
Partner Sites
Der Internet-Taubenschlag hilft!
Der Internet-Taubenschlag hilft!
 
Home  Taubengesundheit  Gezieltes Doping im Taubensport? 

Gezieltes Doping im Taubensport?

Tierarzt René Becker über die medizinische Vorsorge

Tierarzt René Becker
Tierarzt René Becker

Verschiedene Sportverbände definieren den Begriff “Doping” jeweils sehr unterschiedlich. Eine Definition beim Schlittenhundeverband charakterisiert Doping wie folgt: “Durch die Überwindung physiologischer Leistungsgrenzen wird das Tier über den physischen Zustand seines Körpers getäuscht, Schutzbarrieren (z. B. Erschöpfungsgefühle) werden abgebaut mit der Folge einer Gefährdung der Lebensfunktionen.”

In einer Stellungnahme der Universität Leipzig zum “Doping im Pferdesport” heißt es: “Unter Doping versteht man die Verabreichung von Substanzen mit dem Ziel einer Beeinflussung der natürlichen und aktuellen Leistungsfähigkeit bei sportlichen Wettkämpfen”.

Gerade diese Zitate verdeutlichen die ganze Verwerflichkeit des Dopings und machen darüber hinaus deutlich, was der einzelne Züchter seinen Tieren durch den Einsatz verbotener Substanzen letztlich antut.

Die gesetzlichen Grundlagen für die Doping-Bekämpfung sind im § 3 des Tierschutzgesetzes zusammengefasst: “Es ist verboten, an einem Tier bei sportlichen Wettkämpfen oder ähnlichen Veranstaltungen Dopingmittel anzuwenden.”

Der § 25 a der Reiseordnung des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter stellt unmissverständlich klar, dass die u. g. Wirkstoffe der Dopingliste zum Zeitpunkt des Preisfluges nicht in der Taube vorhanden sein dürfen. Die entsprechende Liste mit den Substanzen findet man in den Erläuterungen zur Reiseordnung. Sie enthält (derzeit noch) fünf Wirkstoffgruppen:

  • Sexualhormone und anabole
  • Steroide
  • Glucocortikoide
  • B-Agonisten
  • nicht steroidale Antiphlogistika
  • Tarnsubstanzen

Am bekanntesten dürfte der Einsatz von Kortisonpräparaten aus der Gruppe der Glucocortikoide sein. Vor etlichen Jahren hat mit den auch in Deutschland hinlänglich bekannten Augentropfen das gezielte Doping in Belgien seinen Ausgangspunkt genommen. Später – und bis auf zum heutigen Tag – wurden (und werden) Kortisontropfen in Kombination mit einem Antibiotikum meist in Nase und Auge verabreicht. Schließlich erfolgt(e) der Einsatz dieser Wirkstoffgruppe über das Wasser.

Zunächst stoppt bei regelmäßigem Einsatz die Mauser. Kortison wirkt aber auch schmerzlindernd, abschwellend auf die Schleimhäute, entzündungshemmend und somit letztlich leistungsfördernd, da es das allgemeine Wohlbefinden der Tauben steigert.

Ähnlich, aber nicht so stark ausgeprägt in ihrer Wirkung, sind die nicht steroidalen Antiphlogistika, deren bekanntester Vertreter “Aspirin” ist. Sie wirken blutverdünnend, schmerzlindernd und steigern die Leistungsbereitschaft, da sie Ermüdungserscheinungen übertünchen. Es gibt eine Vielzahl veterinärmedizinisch spezifischer Präparate für den Einsatz bei Hund oder Katze, die aufgrund ihrer Formulierung (z. B. Suspension) geeignet sind, bei Tauben eingesetzt zu werden. Aber auch Präparate wie “Aspirin” wurden, vermutlich aus Unkenntnis über das Verbot, häufig bei Brieftauben eingesetzt.

Die B-Agonisten sind vielen Leuten aus dem Kälbermastskandal vor einigen Jahren bekannt. Der Wirkstoff “Clenbuterol” stellt die Atemwege weit, erlaubt eine bessere Sauerstoffversorgung und hat anabole (d. h. muskelaufbauende) Wirkung.

In der Dopingliste stehen auch Anabole Steroide und Sexualhormone, die in erster Linie für den Aufbau zusätzlicher Muskelmasse verantwortlich sind und daher immer wieder von Schnellkraftsportlern missbraucht werden.

Die sog. Tarnsubstanzen beeinflussen nicht direkt die Leistungsfähigkeit der Taube, sorgen aber für eine forcierte Ausscheidung unerlaubter Substanzen über die Niere und erschweren den Nachweis.

Problematisch, da noch nicht gänzlich von der Dopingliste erfasst, ist der Einsatz verschiedener Hormonpräparate bei weiblichen Tieren, wie er nach Einschätzung von Experten in unseren westlichen Nachbarländern verschiedentlich praktiziert wird. Mit diesen soll gezielt der Legezyklus der Weibchen beeinflusst werden. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, sind wir an einem Punkt angekommen, an dem die ganze kriminelle Energie der Anwender entsprechender Produkte deutlich wird.

Denn um einen leistungssteigernden Effekt zu erzielen, müssen verschiedene Substanzen in gezielten Abständen und bestimmter Dosis verabreicht werden. Dies erfordert einen hohen Informationsstand hinsichtlich der detaillierten Wirkungsweise dieser Präparate.

Ins Zentrum der Diskussion ist in letzter Zeit der Einsatz von antibiotischen Substanzen gerückt. Ohne Frage ist die Grenze zwischen Behandlung von Infektionen und Leistungssteigerung durch Antibiotika, wie wir es aus den früheren Jahren der Nutztierhaltung kennen, fließend. Echtes Doping beinhaltet jedoch auch die Möglichkeit, die Steigerung der körperlichen Leistung über die physiologischen Grenzen hinaus (z. B. in der Natur bei der Flucht vor einem Raubvogel), so dass es für den Organismus zu lebensbedrohlichen Belastungen kommen kann. Ob dies beim Einsatz von Antibiotika gegeben ist, erscheint zumindest fraglich. Die Grenzen bei diesen Definitionen sind jedoch fließend und eine konkrete Einteilung schwierig.

Mit dem eigenmächtigen Einsatz des Züchters von Antibiotika in kurzen Abständen, über jeweils nur kurze Zeiträume und dies häufig mit illegalen “No Name-Produkten” aus dem Ausland, bewegt man sich ohne Frage sehr nahe am Doping. Trotzdem bleibt der Einsatz von Antibiotika in der Reise zur Behandlung von Infektionen unerlässlich. Daher ist dieser streng nach Indikation, Untersuchung sowie Verschreibung durch den Tierarzt durchzuführen.

Abschließend stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang Doping praktiziert wird und es bei der Brieftaube überhaupt effektiv ist? In Deutschland gibt es bis heute keinen einzigen, offiziell bestätigten positiven Dopingfall. Dass allerdings vereinzelt verbotene Präparate eingesetzt werden, steht außer Frage. Die tatsächliche Verbreitung ist schwer einzuschätzen, obwohl es in keinem Fall massenhaft ist. Dazu ist die Unkenntnis der meisten Züchter zu groß und die Zahl potentieller Dopingsünder zu gering. Eine Effektivität beim Einsatz verbotener Substanzen ist in jedem Fall gegeben.

René Becker, prakt. Tierarzt


[Home]  [Magazin]  [Podcast]  [Meisterschaft]  [1. Konkurse]  [International]  [Auktion]  [One Loft Races]  [Kids Corner]  [Preislisten]  [Taubengesundheit]  [Wetter]  [Photo Gallery]  [Forum]  [Office Tools]  [Umfragen]  [Verirrte Tauben]  [Züchter]  [Tauben-Shop]  [Brieftaubenzüchter helfen]  [Bannerwerbung]  [Adressen-CD]  [Newsletter]  [Statistik]  [Netiquette]  [Disclaimer]  [Impressum