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Home  Magazin  Hartmut Will  Taubensport im Kohlenpott: Wie einst schon unsere Väter mit Tauben spielten! - Teil 1 

Taubensport im Kohlenpott: "Wie einst schon unsere Väter mit Tauben spielten!"

1. Teil: Die ersten Anfänge des Taubensports im Ruhrgebiet

Wir schreiben das Jahr 1869. Im Ruhrgebiet sind die ersten Zechen in Essen (1832), Duisburg, Ruhrort, Mülheim, Oberhausen, Bottrop, Gelsenkirchen, Wanne, Bochum und Dortmund (1856) entstanden. Der erste Schmelzofen zur Stahlerzeugung wird 1869 in Essen von Alfred Krupp in Betrieb genommen.

Auch die Anfänge des Taubensports fallen in diese Zeit. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts nimmt der Taubensport mit der Gründung der ersten Vereine zunächst einen bescheidenen Anfang, später einen steilen Aufschwung. Bereits vor 1869 werden die ersten Brieftaubenvereine von Bergleuten, die im Taubensport einen Ausgleich für ihre tägliche, schwere Arbeit unter Tage im dunklen Zechenschacht finden, im Ruhrgebiet gegründet. Die Zuwanderer aus der Zeit der Industrialisierung im Ruhrgebiet, die aus den landwirtschaftlich geprägten Ostprovinzen kommen, halten in den "Kolonien", so nennen sich die Siedlungen, in denen sie wohnen, neben anderem Kleinvieh auch Brieftauben. Diese "Kolonien" bestehen aus kleineren ein-, anderthalb oder zweistöckigen Häusern, errichtet für zwei bis vier Familien, die sich schon bald allgemein durchsetzen und bis in die heutige Zeit noch immer das Bild von Zechensiedlungen prägen. Die Dächer der Häuser sind mit auf den Zechen hergestellten Ziegeln gedeckt. Die dazu verwendeten Materialien fallen beim Vortrieb der Strecken und bei der Förderung an. Durch die Verwendung verschiedener Stilelemente im Grundriss der Wohnungen und Häuser sowie bei der Konzeption der Siedlungen wird versucht, an bäuerliche Elemente anzuknüpfen. So verfügen im Jahre 1900 86 Prozent der Wohnungen über einen Garten und 96 Prozent über einen Stall. Dies ergibt sich aus der Gartenstadtbewegung nach englischem Vorbild, nämlich der Absicht, an die ländliche Herkunft der Bergleute anzuknüpfen. Durch die Bestellung des zur Wohnung gehörenden Gartens bessert der Bergmann in Nebenarbeit das Budget der Familie auf. Im Bergbau ist die Produktion saisonbedingt immer starken Schwankungen unterworfen. Im Sommer, bei Rückgang der Förderung, wird niemand entlassen. Statt dessen werden Feierschichten verfahren, so dass dem Bergmann in dieser Zeit genügend Zeit bleibt, seinen Garten zu bestellen und Taubensport zu treiben. Wohnungen in den Kolonien sind unter den Bergleuten äusserst begehrt, da sie grösser und billiger sind als solche auf dem freien Wohnungsmarkt. Im Jahre 1900 haben 37,2 Prozent der Wohnungen drei Zimmer und 46,6 Prozent vier Zimmer. Die Mieten für diese Wohnungen liegen etwa um 50 Prozent niedriger als bei vergleichbaren freien Wohnungen. Dies führt dazu, dass ein immer grösserer Anteil von Bergleuten in diesen Koloniewohnungen untergebracht ist. Von etwa 12 Prozent im Jahre 1893 steigt ihr Anteil bis zum Jahre 1914 auf 35 Prozent. Die einzelnen Zimmer sind nur etwa 12 bis 19 qm gross. Eine Vierzimmerwohnung bietet lediglich ca. 50 qm Grundfläche. Das grösste und wichtigste Zimmer, meist auch der einzige beheizte Raum, ist die Wohnküche. Hier wird gekocht und gegessen, hier halten sich die Familienmitglieder, Kostgänger, Untermieter und Besucher tagsüber auf. Das Schlafzimmer befindet sich im ersten Stock, so dass Schichtarbeiter tagsüber vorm Lärm tobender Kinder besser geschützt sind. Zum Mobiliar gehören ein Herd, ein grosser Tisch, einige Stühle, eine Kommode, ein Schrank und zwei bis drei Betten. Die Kinder teilen sich zu zweit oder dritt ein Bett, das jüngste Kind ist bei den Eltern untergebracht. Stroh, das nur zum Frühjahr und Herbst erneuert wird, bildet die notdürftige Unterlage zum Schlafen. In den meisten Kolonien sind noch keine Wasserleitungen in die Wohnungen gelegt, so dass die Bewohner Wasser aus entlegenen Zapfstellen entnehmen müssen, die in Abständen auf der Strasse installiert sind. Dort bilden sich immer dann längere Warteschlangen, wenn einmal grössere Mengen an Wasser zum Waschen oder Kochen gebraucht werden. Hier schälen die Frauen Kartoffeln und waschen die Wäsche. Aufgrund der fehlenden Kanalisation werden die Abwässer in die Strassengräben geleitet, aus denen sie wegen Bodensenkungen oft nicht abfliessen, so dass es wegen dieser unhygienischen Zustände auch zu Krankheiten wie Typhus oder Malaria kommt.


Bild von der Anzeige des
Taubensport-Hauses August Nolzen

Oft erst in den 1920er Jahren werden diese schlimmen Missstände in den Kolonien durch Bau der erforderlichen Kanalisation behoben. Die Taubenhaltung und -zucht erfreuen sich besonders bei Bergleuten großer Beliebtheit, so daß die Brieftaube auch als "Rennpferd des Bergmanns" bezeichnet wird. Die zahlreichen Wettflüge werden zu besonders beliebten Veranstaltungen unter den Bergleuten. Das Bewahren ländlicher Lebensformen in ihrer neuen Industrie-Heimat, nämlich die Seßhaftigkeit möglichst im eigenen Häuschen mit Garten, die Heimatverbundenheit sowie enge Nachbarschaftskontakte und das Bedürfnis, Kleinvieh im eigenen Stall zu halten, wie z.B. Tauben, aber auch Ziegen, die "Milchkühe des Bergmanns", charakterisieren den typischen Bergmann dieser Zeit. 1869 gibt es in Bochum bereits ein Reisetauben-Sporthaus August Nolzen oHG. Es bietet "Alles für den Taubensport" an. Man muß davon ausgehen, dass es bereits vorher Taubensport im Ruhrgebiet gibt, da die Zechengründungen in anderen Städten bereits vorher erfolgten. Eine ganz genaue Erforschung wäre ein lohnendes Ziel einer weitern Dokumentation, bei der auch bisher nicht zugängliche Quellen genutzt werden.

Die Leser dieser Zeilen werden aufgefordert, zur Klärung dieser Frage eigene Quellen und Sachverhalte zum Thema an den Internet-Taubenschlag oder den Autor zu übermitteln.

Sportliche und patriotische Gründe führen im sog. rheinisch-westfälischen Industriegebiet im Jahre 1881 zur Gründung der ersten Brieftaubenreisevereinigung in Bochum für die dort entstandenen Vereine. Durch sie wird von nun an der Transport der Tauben zu den jeweiligen Auflaßorten, besonders bei Weitstreckenflügen, z.B. auch aus Königsberg/Ostpreußen, organisiert.

Am 13. Februar 1881 wird durch vier Vereine in Bochum die " Reisevereinigung des Rheinisch- Westfälischen Industriegebiets " mit Sitz in Bochum gegründet. Seit 1905 hat sie ihren Sitz in Hattingen. Am 15. Februar 1891 hatte diese RV bereits 24, im Jahr 1895 36, im Jahre 1897 48 Vereine, und am 22. Januar 1899 meldet das Protokoll der Hauptversammlung, dass 72 Vereine, über weite Teile des Ruhrgebiets verteilt, der RV angehören. 1894 geht die zusammenfassende Lage der RV in den einzelnen Ausläufern bis Duisburg- Meiderich, Neviges, Velbert, Vorhalle bei Hagen, Volmarstein, Dortmund, Gladbeck, Bottrop, Witten, Moers, Mülheim ( Ruhr) , und vielleicht mit einzelnen Vereinen noch darüber hinaus. In dieser Zeit liegen auch die Gründungen weiterer Reisevereinigungen. Hier die sieben ältesten, vor 1900 gegründeten Vereinigungen an Rhein und Ruhr und im Bergischen Land:

  • RV des Rheinisch- Westfälischen- Industriegebiets, gegr. 1881;
  • Solingen 1882;
  • Barmen (Wuppertal) 1890;
  • Düsseldorf 1891;
  • Köln und
  • Gelsenkirchen 1894;
  • Essen 1898.

Bereits vor Gründung der Reisevereinigung Gelsenkirchen im Jahre 1894 gab es im Gelsenkirchener Stadtgebiet (Stadtwerdung:1875) drei Brieftaubenvereine:


Bild vom Stempel der
Reisevereinigung Gelsenkirchen
1894

Einen in Gelsenkirchen-Horst, den Verein 0191 "Vorwärts" Rotthausen und den Verein 0208 "Heimkehr" Gelsenkirchen. Der Verein "Vorwärts" Rotthausen gründete sich in der damals selbständigen Gemeinde Rotthausen am 12. August 1889.
Der Verein "Heimkehr" Gelsenkirchen wurde am 2. November 1890 gegründet.
Er gilt als erster Mitgliedsverein der Reisevereinigung Gelsenkirchen 1894.

Vom deutschen Brieftaubenverband wurde der Verein, zu dem 1890 15 Züchter zählten, die damals rund um den Hauptbahnhof ihr Zuhause hatten, fortan unter der Registriernummer "0208" geführt. Damals versammelten sich eben diese Züchter laut Protokoll am 2. November 1890 in einem Local "behufs Besprechung über die Gründung eines neuen Brieftaubenvereins". Am 22. Oktober 1899 kam es zur Vereinigung der RV Gelsenkirchen 1894 mit einer zweiten Gelsenkirchener Reisevereinigung. Fortan führte die Vereinigung dieser den Namen "Reisevereinigung für Gelsenkirchen und Umgegend gegr. 1894". Laut Urkunde des Bürgermeisteramtes Stoppenberg wurde am 26. August 1905 der Brieftaubenliebhaberverein 01436 "Fortuna" Rotthausen unter dem Vereinsnamen "Bauernfreund Rotthausen" genehmigt. Am 3. September wurde der Verein von den Sportfreunden, van de Boom, Cordes, Hermann und Karl Kremerskothen, Becker, Steinfurt, Stock, Elfering, Krausemann und Löbbert offiziell gegründet.

Bereits seit 1875 wurde der Brieftaubensport in Herne gepflegt, das damals noch eine bescheidene evangelische Kirchspielgemeinde war, in der die ersten Zechenabteufungen von England und Frankreich aus begannen. (Shamrock - Mont-Cenis). In diesem kleinen Herne schlossen sich die ersten Taubenliebhaber zum ältesten Qrtsverein, der Heimkehr 011, unter Führung des Sparkassenbuchhalters Hövels zusammen.1875 wurde die Heimkehr bei Rolof an der Bahnhofstraße gegründet. Mitglieder waren Schornsteinfegermeister Sprinz, Metzgermeister Schmitz, Wirt Nussbaum, Koksmeister Kexel, Wirt und Bäckermeister Nordsiek, Stehmann und Massblech.

Eine Organisation aller deutschen Brieftaubenliebhaber, der Verband Deutscher Brieftaubenliebhabervereine, wird erst im Jahre 1884 gegründet. Im Jahre 1885 hat der gerade erst gegründete Verband immerhin schon 68 Mitgliedervereine in Deutschland (Preußen).
Der erste Taubenverein im Vest Recklinghausen wird im Jahre 1890 gegründet.
Der erste Name des Verein lautet "Kriegspost", und zwar noch als eine Untergruppierung eines Geflügelzuchtvereins "Vest".
Die Züchter des Vereins orientieren sich anfangs stark an der schon 1894 gegründeten "Brieftaubenreisevereinigung Gelsenkirchen und Umgebung 1894 e.V.", da es in Recklinghausen und der Umgebung noch keine Reisevereinigung gibt.

Die vornehmste Aufgabe des Vereins und seiner Mitglieder ist die Förderung des Brieftaubensports mit Idealismus in Harmonie und Eintracht, so die Statuten.

Bereits im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts ist das Ruhrgebiet das Zentrum der deutschen Taubenzucht mit der größten Konzentration von Vereinen.

Mit dem Jahre 1908 ist das Ruhrgebiet die Heimat der meisten Brieftaubenvereine in Deutschland (Preußen).

Schriftgemeinschaft P. + S.


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